Es war ein technischer Defekt mit weitreichenden Folgen. Ende Januar musste die Vohenstraußer Stützpunktwehr ihren Rüstwagen außer Dienst stellen, der bei Unfällen, vor allem auf der A 6, gute Dienste leistete. Doch es gibt eine Lösung.
Nach monatelanger Suche konnte die Stützpunkt-Feuerwehr Vohenstrauß nun ein geeignetes Ersatzfahrzeug für ihren ehemaligen Rüstwagen beschaffen. Es stammt von der Stadt Delmenhorst und wird die Einsatzbereitschaft der Stützpunktwehr sichern, bis ein neues Fahrzeug beschafft werden kann. „Dies kann aber noch ein paar Jahre dauern“, sagt Bürgermeister Uli Münchmeier. Der bisherige Rüstwagen, Baujahr 1999, war seit mehr als einem Vierteljahrhundert ein zuverlässiger Begleiter. Ende Januar wurde jedoch ein irreparabler Schaden an der Hinterachse festgestellt. Nur der Austausch der Achse hätte das Problem lösen können. Doch das war nicht möglich: Der Fahrzeughersteller liefert für diesen Fahrzeugtyp keine Ersatzteile mehr. Die Suche nach einer gebrauchten Achse sei aussichtslos gewesen, informierte Kommandant Anton Schwägerl.
Um den Rüstwagen überhaupt noch bewegen zu können, wurde das Fahrzeug notdürftig von Hinterrad- auf Vorderradantrieb umgebaut. Eine dauerhafte Lösung war dies nicht. „Die Vorderachse ist für diese Belastung nicht ausgelegt“, bedauert Schwägerl. Die Konsequenz war unausweichlich: Das Fahrzeug musste außer Dienst gestellt werden.
Zwischenlösung muss her
Hinzu kamen weitere altersbedingte Probleme. Bereits vor fünf Jahren war der fest eingebaute 20-Kilovoltampere-Stromgenerator aufgrund eines größeren Defekts ausgefallen und war bereits durch einen tragbaren Stromerzeuger ersetzt worden. Angesichts des fortgeschrittenen Fahrzeugalters und der zunehmenden technischen Schwierigkeiten erschien die Anschaffung einer Zwischenlösung unabwendbar.
Doch die Beschaffung eines neuen Rüstwagens ist ein langwieriger Prozess. Von der Planung über die europaweite Ausschreibung bis zur Auslieferung vergehen nicht selten bis zu vier Jahre. Für eine Feuerwehr mit Stützpunktfunktion wäre eine so lange Zeit ohne entsprechendes Spezialfahrzeug kaum vertretbar. Der Rüstwagen nimmt innerhalb des Landkreises Neustadt/WN eine zentrale Rolle ein. Vohenstrauß gehörte vor 26 Jahren zur ersten Wehr, die mit einem derartigen Fahrzeug ausgestattet wurde. Es kommt bei umfangreichen technischen Hilfeleistungen und schweren Verkehrsunfällen zum Einsatz und deckt den gesamten östlichen Landkreis ab. Weitere Fahrzeuge dieser Art gibt es in Windischeschenbach, Grafenwöhr und Weiden.
Wertvolle Zeit vergeht
Fällt ein Rüstwagen aus, müssten die Wehren aus Weiden oder sogar aus Oberviechtach anrücken. Doch dadurch vergehen wertvolle Minuten, die bei schweren Unfällen entscheidend sein können. Um diese Versorgungslücke schnellstmöglich zu schließen, entschied sich die Feuerwehr im Einvernehmen mit der Stadt für die Anschaffung eines gebrauchten Übergangsfahrzeugs. Der Stadtrat gab in seiner Juli-Sitzung dem Bürgermeister die entsprechende Ermächtigung zum Kauf.
Fündig wurden die Verantwortlichen schließlich bei einem großen Lkw-Händler im niedersächsischen Bovenden, bei Göttingen. Vor dem Kauf machten sich die Kommandanten Anton Schwägerl und Thomas Beierl gemeinsam mit den Gerätewarten Reinhard Lehner und Maximilian Süss auf den Weg, um das Fahrzeug zu besichtigen. Am Freitag, 17. Juli, holten es die Kommandanten zusammen mit Gerätewart Reinhard Lehner und Zugführer Gerhard Bauer schließlich in Niedersachsen ab und überführten es nach Vohenstrauß.
Aus Delmenhorst
Bei dem Neuzugang handelt es sich um den ehemaligen Rüstwagen der Stadt Delmenhorst. „Dort wurde das Fahrzeug nicht wegen technischer Mängel außer Dienst gestellt, sondern weil die Feuerwehr ihr Einsatzkonzept auf ein Wechselladersystem umgestellt hat“, weiß Münchmeier. Das 220-PS-starke MAN-Fahrzeug, Baujahr 1999, befindet sich nach Angaben der Verantwortlichen in einem relativ guten technischen Zustand. Auch die Kosten von etwa 40.000 Euro sind überschaubar.
Bei der Auswahl legte die Feuerwehr besonderen Wert darauf, dass Aufbau und Ausstattung möglichst dem bisherigen Mercedes-Benz-Fahrzeug entsprachen. So verfügt es etwa über die gleiche Seilwinde. „Dadurch bleiben Bedienung und Einsatzabläufe weitgehend identisch“, erklärt der Kommandant. In den kommenden Tagen werden nun noch kleinere Anpassungen am Aufbau vorgenommen. Anschließend müssen sämtliche Geräte umgeladen werden. Läuft alles nach Plan, soll der neue Übergangsrüstwagen bereits Anfang August offiziell in Dienst gestellt werden.
Europaweite Ausschreibung
Zwar ersetzt die Übergangslösung kein modernes Neufahrzeug, stellt jedoch sicher, dass schnelle und leistungsfähige technische Hilfe weiter geleistet werden kann. Münchmeier will als Nächstes abklären, ob für die Pfalzgrafenstadt eine Sammelbestellung für einen neuen Rüstwagen mit den Städten Grafenwöhr und Eschenbach infrage kommt. Falls nicht, würde Vohenstrauß die europaweite Ausschreibung angehen. Für einen Neukauf muss die Stadt 800.000 Euro bis zu 1 Million Euro berappen, weiß der Bürgermeister.
Für den bisherigen Rüstwagen ist die Geschichte noch nicht ganz zu Ende. Das Fahrzeug soll an Interessenten weiterverkauft werden, heißt es. Aufgrund der noch gut erhaltenen und funktionstüchtigen Komponenten eignet sich der ehemalige Vohenstraußer Rüstwagen als wertvolles Ersatzteillager für baugleiche Fahrzeuge, die andernorts noch im Einsatz stehen.
Bericht und Bilder von Elisabeth Dobmayer auf onetz.de:
